Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Zu den „vergessenen Opfern“ der NS-Diktatur gehören bis heute diejenigen Menschen, die einer Zwangssterilisation unterzogen wurden. Die „Unfruchtbarmachung“ von Männern und Frauen, die man als angeblich „erbkrank“ und als Gefahr für die „Rassenhygiene“ einstufte, war keine Randerscheinung: Zwischen 1934 und 1945 wurden alleine in Düsseldorf tausende Menschen Opfer dieses entwürdigenden Eingriffs. Amtsärzte, Juristen und Behördenvertreter wirkten an diesen Vorgängen aktiv mit.

Betroffen waren Menschen, die von Geburt an blind oder gehörlos waren, die an nervlichen oder seelischen Erkrankungen oder an Epilepsie litten. Sie alle waren als “erbkrank” stigmatisiert und gerieten auf der Grundlage des “Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” in den Fokus der Behörden. Zur „Aufartung des deutschen Volkskörpers“ beraubte man diese Menschen der Möglichkeit, Nachwuchs zu zeugen, – und ihrer Würde. Die Aufarbeitung dieser Verbrechen ist bis heute tabuisiert.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Mahn- und Gedenkstätte, des Stadtarchivs und des Gesundheitsamtes mit zahlreichen weiteren Partnerinstitutionen. Sie kann bis einschließlich 20. Juni 2022 im Hinterhaus der Mahn- und Gedenkstätte besucht werden.

Buch zur Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Düsseldorf (evdus). Begleitend zur Sonderausstellung ist ein Buch unter dem Titel „Zwangssterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934–1945“ veröffentlicht worden. Es ist als Band 11 der „Kleinen Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte“ erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Der Band zeigt nicht nur die Elemente der NS-Ideologie und die konkreten Strukturen auf, die die Betroffenen zu durchlaufen hatten. Dargestellt werden auch Einzelschicksale, die aus den entsprechenden Akten des Stadtarchivs stammen. Autoren sind die beiden Institutsleiter Dr. Bastian Fleermann, Mahn- und Gedenkstätte, und Dr. Benedikt Mauer, Stadtarchiv. Mitherausgeber dieses Bandes ist der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf, der den Druck mitfinanziert hat.

„Zwangssterilisiert. Eingriffe in die Menschenwürde in Düsseldorf 1934–1945“, 70 Seiten mit Klappbroschur, Paperback, 1. Auflage, Droste Verlag, ISBN 978-3-7700-6047-4. Das Buch ist für sieben Euro im Handel erhältlich.

Den „vergessenen Opfern“ der NS-Diktatur ein Gesicht geben

Auch Einrichtungen der Evangelischen Kirche wirkten an den entwürdigenden Eingriffen mit. Superintendent Heinrich Fucks war es ein großes Anliegen, die Ausstellung und das Buches zu diesem bewegenden und bislang vernachlässigten Thema zu unterstützen, um den „vergessenen Opfern“ der NS-Diktatur ein Gesicht zu geben:

„Die Verstrickung der Evangelischen Kirche in die nationalsozialistische Ideologie und ihr über weite Strecken bereitwilliges Zusammenwirken mit diesem Unrechtsregime gehört zu den ganz dunklen Kapiteln der evangelischen Kirchengeschichte – auch in Düsseldorf. Beklemmend tritt ein Teil dieser unsäglichen Beteiligung in der neuen Ausstellung ‚Zwangssterilisiert‘ der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zu Tage. Evangelische Einrichtungen lieferten die ihnen anvertrauten Menschen an das menschenverachtende Verfahren aus. In evangelischen Krankenhäusern wurden die Eingriffe wie selbstverständlich durchgeführt. Nie wieder darf es zu einer solchen Verirrung kommen. Nie wieder darf Gottes Gebot so missachtet werden. Nie wieder dürfen wir Christus so verraten.“

 

2022-03-30T09:02:26+02:0022. März 2022|