„Kalter Hund“ unter der Sommerlinde

Düsseldorf/Golzheim (evdus). Im Rahmen der Sommerserie „schöne Pfarrgärten und Kirchenplätze“ stellen wir heute das Outdoor-Café der Evangelischen Tersteegen-Kirchengemeinde in Golzheim auf dem Vorplatz der Tersteegenkirche unter der Linde vor.

An jedem Sonntag im Juli, das nächste Mal wieder am 31. Juli, kommen Nachbarn, Menschen aus dem Stadtteil rund um die Tersteegenkirche zum Kaffeeklatsch auf dem Vorplatz der Kirche zusammen. Auch Rosanna aus Armenien, die mit ihren zwei Kindern seit über elf Jahren in Golzheim lebt, kommt gern zum Café-Treffpunkt. Ihre Kinder erhalten Musikunterricht in der Tersteegen-Musikschule, und mittlerweile kennt sie viele Menschen aus der Nachbarschaft.

Unter einem großen, Schatten spendenden Lindenbaum nehmen die Besucher:innen an schön eingedeckten Kaffeetafeln mit Serviette und Blümchen Platz. Besonders groß ist die Freude über die verschiedenen jeweils selbst gebackenen Kuchen. Sie sind der ganze Stolz der ehrenamtlichen Bäcker:innen und Gesprächsthema am Tisch. „Alle Käsekuchenvarianten sind bei uns sehr beliebt. Einmal habe ich eine Käse-Sahne-Torte gebacken mit Limoncello, einem Likör aus Zitrone, und sie mit geköchelten Zitronenrädern oben auf dem Kuchen verziert, die kam gut an“, erinnert sich Monika Albrecht-Witzel.

Erdbeertörtchen beim ersten Sonntags-Café

Entstanden ist die Idee zum Sonntags-Café im Sommer 2021. Gemeindeglied Karin Nell, die viele Jahre als Erwachsenenbildnerin im evangelischen Bildungswerk Nordrhein tätig war, hat im Rahmen der Nachbarschaftswerkstatt Golzheim Interessierte spontan zum Outdoor-Café eingeladen und die Gäste mit Erdbeertörtchen überrascht. Gute Nachbarschaft fällt nicht vom Himmel. Und durch die Corona-Pandemie und damit verbundenen eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten erschien es Nell umso wichtiger, wieder einen Raum für ein geselliges Miteinander zu schaffen, sich einmal raus aus den eigenen vier Wänden zu begeben, gemeinsame Interessen zu pflegen und sich auszutauschen über „Gott und die Welt“, Alltägliches und Besonderes. Draußen wurde Begegnung auf Abstand wieder möglich.

Kuchen- und Plätzchenspenden erwünscht

Albrecht-Witzel backt leidenschaftlich gern und gehört von Anfang an zum festen Stamm der Hobby-Bäcker:innen und Organisator:innen des Outdoor-Cafés. Im Sinne der Nachbarschaftshilfe, die sich durch gegenseitige Unterstützung, Geben und Nehmen auszeichnet, freut sie sich über jede mitgebrachte Kuchenspende der Gäste. „Ein über 80-jähriger Nachbar hat einmal einen selbst gebackenen Marmorkuchen mitgebracht. Und Kindheitserinnerungen wurden bei mir wach, als ich den Eiserkuchen einer über 90-jährien Dame probiert habe. Er schmeckt wie Eishörnchen und wird mit Sahne gefüllt. Aber es genügt auch, einfach mal ein paar Kekse beizusteuern“, sagt Monika Albrecht-Witzel. Gern denkt sie auch an den „kalten Hund“ zurück, einen geschichteten Kuchen aus Schokoladencreme und Keksen, der nicht gebacken werden muss. Er ist auch bei ihren Enkelkindern beliebt.

Mit der Rikscha durch zum Sommer-Café

Beim Kaffeeklatsch unter der Linde in der vergangenen Woche kam das Rikscha-Taxi im Quartier zum Einsatz. Gemeinsam mit der katholischen Kirche Heilige Familie, dem jüdischen Nelly-Sachs-Haus und den Diakonie- und Caritas-Einrichtungen vor Ort nutzt die Evangelische Tersteegen-Kirchengemeinde das Gefährt, das eine ganz neue Möglichkeit für die Nachbarschaftsbegegnung gerade für Ältere und bewegungseingeschränkte Menschen bietet. Wer wollte, durfte die Rikscha mit dem ausgebildeten Rikscha-Piloten Rainer Nückel einmal ausprobieren.

 

Ab August treffen sich Interessierte aus dem Stadtviertel Golzheim an jedem dritten Sonntag im Monat zum Kaffeeklatsch unter der Linde. Bei Regen greift Plan B: Treffen im Gemeindehaus der Tersteegenkirche. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nächster Termin: 21. August.

Ulrike Karpa

 

 

2022-08-02T09:18:31+02:0018. Dezember 2020|