Ein Garten für alle Generationen

Wersten (evdus). Im letzten Teil unserer Sommerserie „schöne Pfarrgärten und Kirchenplätze“ stellen wir heute das Gartengelände rund um die evangelische Stephanuskirche in Wersten vor.

Zahlreich blühen gerade die Rosen am Eingang der evangelischen Stephanunskirche an der Wiesdorfer Straße in Wersten. Eigentlich blüht auf dem weitläufigen Gelände rund um die Kirche passend zur Jahreszeit immer irgendetwas. Und dafür sorgen seit zehn Jahren Gudrun und Helmut Ritscher. Die beiden Gemeindeglieder sind passionierte Hobbygärtner. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, alte, verblühte oder halbvertrocknete Pflanzen aufzupeppeln, im Pfarrgarten einzusetzen und wieder zum Blühen zu bringen.

Woher kommen die Gewächse? „Die Küsterin schenkt uns manchmal verblühten Blumenschmuck vom Altar, zum Beispiel eine Azalee oder Hortensie. Oder eine alte Dame bringt uns eine verwelkte Pflanze für den Gemeindegarten. Eine weiße Rose hat uns ein Gemeindeglied gespendet. Eine Nachbarin hat mir eine Iris gegeben, und im Abfall habe ich einen schönen Fingerahorn und Christrosen gefunden“, sagt Gudrun, die auch immer wieder einmal etwas aus ihrem eigenen ein Kilometer entfernten Garten mitbringt und im Kirchengarten ansiedelt. Rechts neben der Kirche wuchern Wicken, auch Platterbsen genannt. „Vor eineinhalb Monaten war das hier ein rosa Gewusel. Jetzt sind sie verblüht, kommen aber nächstes Jahr wieder“, freut sich Gudrun.

Ein Vaterunser in der Dämmerung auf der Kirchenbank – ein Entspannungsmoment

Seit Helmut in Rente ist, sieht man den 71-Jährigen oft im Pfarrgarten. Gerade hat er die Hecke zurückgeschnitten, welche die Gemeindeparklätze begrenzt. Und an heißen Tagen steht das Gießen der Pflanzen im Vordergrund. „Ich genieße besonders die Zeit, wenn die Dämmerung hereinbricht. Dann setze ich mich auf die Bank vor der Kirche und sehe die Fledermäuse, wie sie um den Kirchturm herumschwirren. Das ist ein Entspannungsmoment für mich, die Gedanken schweifen lassen oder ein Vaterunser beten“, sagt Helmut.

Gartentipps für zuhause

Er und seine Frau erfahren viel Wertschätzung für ihre ehrenamtliche Arbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd. „Manchmal kommen Kinder des benachbarten Kindergartens zu uns, riechen an den Blumen und Kräutern und stellen uns Fragen zum Garten. Gern verbringen auch Lehrer der benachbarten Henri-Dunant-Gemeinschaftsgrundschule und der katholischen Gesamtschule am Reindorfer Weg ihre Mittagspause vor der Stephanuskirche und fragen uns nach Gartentipps, oder Senioren kommen vorbei und bewundern den Garten“, sagt Gudrun. Ebenso erfreuen sich die Gottesdienstbesucher:innen sonntags nach dem Gottesdienst beim Stehkaffee draußen an der Blütenpracht.

Was braucht eine Pflanze? Diese Frage sollte geklärt sein, bevor ein Gewächs in die mit Kompost gedüngte Erde kommt. „Die hängende Weide braucht zum Beispiel viel Licht, während die Hortensie eher im schattigen Teil des Gartens gedeiht“, sagt die Hobbygärtnerin. Weitere Voraussetzungen fürs erfolgreiche Gärtnern sind Wässern, Schneiden und ganz viel Geduld.

Es kann auch mal etwas misslingen. Im letzten Jahr haben die Ritschers versucht, auf einem Stück „Wildnis“ im hinteren Teil des Gartens Sonnenblumen anzusetzen. Vergeblich – die Schnecken haben alle Sonnenblumen gefressen.

Gern erinnert sich das Ehepaar an eine Aktion anlässlich der Zusammenlegung ihrer Gemeinde mit der ehemaligen Klarenbach-Kirchengemeinde in Holthausen zum Jahresbeginn 2020: „Wir haben ‚nackte‘ Forsythienzweige abgeschnitten und im Neujahrs-Gottesdienst zum Jahreswechsel an die Gemeindeglieder verschenkt als Symbol für den hoffnungsvollen Neuanfang der neuen Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd. Die Aktion kam so gut an, dass uns viele im Anschluss Fotos geschickt haben von ihren aufgeblühten Zweigen“, sagt die 69-Jährige.

Sie möchte in Zukunft die Idee des Kirchengartens wieder aufleben lassen, vermehrt Kräuter anpflanzen und den Altarschmuck aus dem Garten nehmen. „Warum soll man etwas kaufen, das wir hier haben?“ Der Winterjasmin wird im November blühen und die Christrose ab Dezember.

Ulrike Karpa

2022-08-08T09:12:28+02:002. August 2022|