Düsseldorf (evdus). Mit einer Protestaktion vor dem Hauptbahnhof in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf haben am Dienstag, 16. November, mehrere Flüchtlingsinitiativen die Situation der Flüchtenden an der polnisch-belarussischen Grenze kritisiert.

„Nicht die Menschen sind das Problem, sondern die Grenzen!“ lautete das Motto der Aktion der Initiativen „Stay!“ und „Flüchtlinge Willkommen in Düsseldorf. Hintergrund ist die katastrophale Lage mehrerer tausend Flüchtender an der polnischen Grenze zu Belarus, die darauf warten, in Europa Schutz zu finden. Die Organisatoren des Protestes kritisierten vor allem die illegalen Pushbacks (Zurückdrängen von Migranten von den Grenzen ihres Ziel- oder Transitlandes), die Einschränkung der Pressefreiheit und die Behinderung von Hilfsorganisationen.

Superintendent fordert humanitäre Hilfe

Superintendent Heinrich Fucks unterstützte die Protestaktion. Er freue sich, dass er hier in Deutschland Freiheiten leben könne. Diese Freiheiten, die „wie ein Privileg erscheinen, seien für ihn auch eine Verpflichtung“, so der Superintendent. Die jetzt an der Grenze zu Polen festsitzen, „haben sich aus guten Gründen auf den Weg gemacht. Sie kommen aus Afghanistan, dem Iran, dem Irak. Dazu muss ich nicht mehr sagen“, so Fucks. Er forderte humanitäre Hilfe „für die Flüchtlinge zwischen den Grenzen. Dort sind Menschen, Kinder, Frauen und Männer, die jetzt Hilfe brauchen und ein rechtsstaatliches Verfahren.“

„Schaukel- und Vermeidungspolitik“ innerhalb der Europäischen Union

Was Menschen auf der Flucht brauchen, ist nach den Worten des Superintendenten „ein Europa, das für Menschenrechte eintritt, das Gewaltherrschern entgegentritt und – nach dem Maß seiner Kraft – in seine Verantwortung geht.“ Notwendig sei zudem ein schnelles Ende der „Schaukel- und Vermeidungspolitik“ innerhalb der Europäischen Union. Europa dürfe nicht in Gleichgültigkeit versinken, sondern müsse den Gewaltherrschern entschlossen entgegentreten. Johannes Dörrenbecker von der Flüchtlingsinitiative „Stay!“ nannte die Zustände und die Bilder von der belarussisch-polnischen Grenze „schockierend und nur schwer auszuhalten“.

Flüchtende endlich als Menschen sehen und behandeln

Das wirkliche Problem für die Flüchtlinge dort seien „der Stacheldraht und das verweigerte Recht auf Asyl“, beklagte Dörrenbecker. Auf Transparenten und Plakaten der Demonstranten hieß es „Grenzen töten“, „Grenzenlos solidarisch“, „Flucht ist kein Verbrechen“ oder „Gegen die Abschottung Europas“. Die Protestaktion fand hinter einem aufgebauten symbolischen Grenzzaun statt. Jan Lis von „Stay!“ kritisierte die Migrations- und Außenpolitik der Europäischen Union. Die Flüchtlinge an der Grenze zwischen Belarus und Polen müssten aufgenommen werden, so Lis. Zudem müsse die EU Flüchtende endlich als Menschen sehen und behandeln.

Hier lesen Sie den Wortbeitrag von Superintendent Heinrich Fucks

Autor: Andreas Rehnolt
Fotos: Uwe Schaffmeister

 

2021-11-17T12:13:00+01:0016. November 2021|