„Das war für mich bisher das Highlight des Jahres“

Unterbilk (evdus). Mit leuchtenden Augen erzählt Eva-Maria Plettener voller Begeisterung von ihrer ersten Fahrt mit der neu angeschafften Fahrradrikscha der Evangelischen Friedens-Kirchengemeinde in Bilk. „Gemeinsam mit Marika Tereni bin ich in der Rikscha an den Rhein gefahren, und wir haben anschließend noch einen Abstecher in die Altstadt gemacht. Überall wurden wir bestaunt und uns wurde zugewunken – wie bei der Queen.  Dann gab es zwischendurch auch noch ein Eis. Das alles war für mich bisher das Highlight des Jahres“, sagt Plettener, die selbst mobilitätseingeschränkt ist.

Mobilitätseingeschränkte Menschen im Blick

Gelenkt hat die Rikscha Heribert Steldermann. Er ist einer von sechs Ehrenamtlichen der Evangelischen Friedens-Kirchengemeinde, die gerade eine Rikscha-Ausbildung gemacht und gelernt haben, wie sich das Pedelec, mit elektrischem Pedal und Elektrizität angetriebenes Fahrrad, bedienen lässt. Ein Fahrtraining gehörte natürlich auch dazu.

„Ich bin seit zwei Jahren Rentner und glücklich, als Rikscha-Pilot Menschen mit einer Fahrt in die Umgebung der Friedenskirche eine Freude zu machen. Bei Vielen werden dabei Erinnerungen wach. Eine Dame sagte mir, als wir auf Höhe der Kasematten am Rhein waren, dass sie früher oft in der Gaststätte Koller‘s Kahn mit ihrem Mann  Kaffee trinken gewesen ist. Eine andere erzählte auf der Ratinger Straße, hier habe sie damals ihren ersten Joint geraucht. Wieder eine andere war zuvor noch nie am Kö-Bogen“, sagt Steldermann.

Die Evangelische Friedens-Kirchengemeinde hat mit ihrer neuen Fahrradrikscha vor allem mobilitätseingeschränkte Menschen im Blick, die nicht gut zu Fuß sind.

Raus aus der Einsamkeit nach der Pandemie

Hauptziel der vielfältigen Seniorenarbeit der Kirchengemeinde ist, „Menschen aus der Einsamkeit zu holen, raus aus ihren Wohnungen und nach der Pandemie wieder Kontakte mit anderen zu ermöglichen“. Pfarrerin Konstanze Meschke und Gemeindepädagogin Karin Martini spüren ein großes Bedürfnis bei Vielen nach Teilhabe am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben. So geht es im Sommer zum Beispiel mit 80 Senior:innen zu einer Schifffahrt auf den Rhein, das ganze Jahr über mit „Spaziergangspaten“ in den Stadtteil, oder neu angeschaffte Tablets der Friedenskirche bringen den Gottesdienst zu Gemeindegliedern nach Hause.

Acht Rikscha-Fahrten haben bereits stattgefunden, weitere 20 Interessent:innen stehen auf der Warteliste. Gekostet hat das klimafreundliche Gefährt 10.000 Euro. Die Glückspirale hat 90 Prozent des Betrages übernommen.

Heinrich Fucks, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, freut sich über den aufkommenden Trend zu mehr Mobilität. „Unser Bürgergutachten im letzten Jahr hat deutlich gemacht, dass sich Bürger:innen in Düsseldorf Kirche an vielen Orten in der Stadt auch jenseits der Gemeindehäuser wünschen. Mit dem Lastenrad der Oster-Kirchengemeinde, der Rikscha hier in Bilk und Umgebung, bald auch in Garath und dem Kaffeemobil, das Kirchenkreis und Diakonie im Sommer anschaffen möchten, sind wir mitten in der Stadt ansprechbar, erkennbar und sichtbar und das ist wunderbar“, sagt Fucks.

Rikscha-Pilot:innen werden

Wer einmal eine Probefahrt in der Rikscha machen möchte, hat dazu zum Beispiel beim Gemeindefest am 7. August an der Friedenskirche, Florastraße 55, Gelegenheit.

Jetzt sucht die Evangelische Friedens-Kirchengemeinde Leute die Lust haben, Rikscha-Pilot zu werden. Der nächste Kurs beginnt am 12. Juli. Informationen und eine Anmeldemöglichkeit gibt es im Seniorenbüro der Friedenskirche bei Karin Martini telefonisch unter 0211-6000 15 15 oder per Mail unter seniorenbuero@friedenskirche.eu.

Ulrike Karpa

2022-06-07T10:05:23+02:002. Juni 2022|