„Der Kampf und das Engagement gegen Antisemitismus ist auch 70 Jahre nach der Gründung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) in Düsseldorf eine der Hauptaufgaben“, so der katholische Vorsitzende der GCJZ, Michael Dybowski am Dienstag, 2. November, vor der Presse in der NRW-Landeshauptstadt. Die Gesellschaft wurde auf Initiative einiger Mitglieder der damaligen Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf am 2. Mai 1951 gegründet. Maßgeblich daran beteiligt war auch der amerikanische Gesandte und Repräsentant der National Conference of Christians and Jews, New York, Carl Zietlow.

Gründungsmitglieder waren außerdem Lilli und Karl Marx, Herausgeber der Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung, die später auch im Vorstand der GCJZ in Düsseldorf mitgearbeitet hatten, so die Geschäftsführerin der Gesellschaft, Andrea Sonnen. Während die finanzielle Unterstützung im ersten Jahr nach der Gründung von den Amerikanern kam, bekam die neue Gesellschaft danach eine jährliche Zuwendung des Landes NRW, die bis heute andauert.

Insgesamt fünf Mal fand die bundesweite Eröffnung der jährlichen „Woche der Brüderlichkeit“ in Düsseldorf statt. 1959 hielt der spätere Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll die Festrede. An deren Ende sagte er, es könne „eine Zeit kommen, in der es als politisch nicht mehr opportun gilt, den Verbrechen der Vergangenheit jene Namen zu geben, die ihnen gebühren. Erst dann werden wir beweisen können, wieviel uns die Freiheit wert ist“.

Seine Worte sind in einer kleinen Broschüre zum 70jährigen Bestehen der GCJZ in Düsseldorf zu finden. Eine Mahnung, die aktueller nicht sein könnte, so Geschäftsführerin Sonnen. Für den evangelischen Vorsitzenden der GCJZ, Pfarrer Dr. Martin Fricke, ist es eine wichtige Aufgabe für die nahe Zukunft, „aufzuklären, wie man sich antisemitischen Angriffen gegenüber verhalten soll“. Im kommenden Jahr wird es dazu unter anderem „Trainingstage“ geben gemeinsam mit der Antisemitismus-Stelle der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Irith Fröhlich, die jüdische Vorsitzende der GCJZ-Düsseldorf, betonte, man müsse „nicht nur auf Christen sondern verstärkt auch auf Muslime zugehen, und sie über das Judentum aufklären.“ Zugleich wies Fröhlich darauf hin, dass vor allem durch die Demonstrationen gegen die Corona-Bestimmungen der Antisemitismus hierzulande stärker geworden sei. Sie selbst habe zwar noch keine Angriffe erlebt, trage aber „keine Kette mehr mit Davidstern in der Öffentlichkeit, weil ich doch ein bisschen
Angst habe.“

Aktuell hat die GCJZ in der NRW-Landeshauptstadt rund 540 Mitglieder, freut sich Michael Dybowski. Er wies darauf hin, dass sich nach der Düsseldorfer Gesellschaft auf Landesebene weitere Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gründeten. 1959 etwa die in Essen, für die Düsseldorf zunächst die Patenschaft übernahm, sowie die in Köln.

Wichtige Stationen der Düsseldorfer GCJZ waren in den 1970er Jahren die Betreuung von Zeugen in insgesamt drei NS-Prozessen und die Eingliederung von jüdischen Kontingentflüchtlingen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der Zustrom brachte rund 5.000 neue Mitglieder in die Jüdische Gemeinde Düsseldorf, die heute mit etwa 7.400 Mitgliedern die drittgrößte in Deutschland ist.

Hier geht es zur Webseite der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit 

2021-11-16T16:00:07+01:0013. November 2021|