Düsseldorfer Bahnhofsmission feiert Jubiläum

Düsseldorf (evdus).  Als vor 120 Jahren viele Menschen in den Städten ihr Glück suchten, kamen auch viele junge Frauen am Bahnhof Düsseldorf an, meist ohne eine genaue Idee, wie es dann weitergehen sollte. Damit sie nicht in die Fänge von Männern gelangen, die sie in die Prostitution zwingen, kümmerten sich christliche und jüdische Frauen schon am Bahnhof um sie – die Geburtsstunde der Bahnhofsmission Düsseldorf. Am kommenden Samstag, 11. Juni, um 12 Uhr, feiert sie ihr Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Bahnhofshalle.

Von Beginn an war die Bahnhofsmission ökumenisch geprägt. „In den ersten Jahren gab es eine enge Zusammenarbeit mit dem katholischen Mädchenschutzverein – heute IN VIA Düsseldorf e. V. – , der eine Unterkunft in der Klosterstraße hatte und dem evangelischen Augustahaus, das heute zur Diakonie Düsseldorf gehört“, erzählt die heutige Leiterin der Bahnhofsmission, Barbara Kempnich. „Das waren Mädchenheime, in denen junge Frauen wohnen und hauswirtschaftliche Tätigkeiten erlernen konnten. So hatten sie anschließend die Möglichkeit, als Hausmädchen zu arbeiten.“

Nachdem die Bahnhofsmission im Dritten Reich vorübergehend ihre Arbeit einstellen musste, waren ihre Dienste nach dem Krieg wieder sehr gefragt.  Die Mitarbeitenden kümmerten sich auch um die vielen Flüchtlinge und heimkehrenden Soldaten, für die die Bahnhöfe zentrale Anlaufstellen waren.

In den 50er- bis 80er-Jahren kümmerte sich die Düsseldorfer Bahnhofsmission um verschiedene Hilfen für Reisende, etwa um allein reisende Kinder, die auch in den Räumen ihre Schulaufgaben machen konnten, während sie auf die Züge warteten, die sie nach der Schule nach Hause brachten. Die Hilfen bei Armut und Wohnungslosigkeit nahmen einen immer größeren Raum ein.

2010 wurde die Bahnhofmission Düsseldorf außerdem in eine offene und helle Räumlichkeit umgebaut, 2014 kam mit der Kinderlounge ein Ruhepol zum Wickeln, Stillen, Spielen und Vorlesen dazu. Die Kinderlounge ist ein Zeichen dafür, dass sich auch das Selbstverständnis der Bahnhofsmissionen erweitert hat.  Leiterin Barbara Kempnich berichtet unter anderem von der intensiven Quartiersarbeit mit Quartiersfesten auf dem Bertha-von-Suttner-Platz hinter dem Bahnhof und Quartiersspaziergängen, die Einblick geben in die verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Gruppen, die sich im Zentrum der Stadt um den Bahnhof aufhalten.

Auch die Beteiligung der Besucher:innen an der Planung zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes habe moderne und klimabewusste Gestaltungsideen hervorgebracht, auch wenn ihre Vorschläge, den Platz zu begrünen und den Raum auch für Menschen zu gestalten, die sich nichts leisten können, letztendlich wenig Beachtung gefunden hätten.

In der Corona-Pandemie wurde deutlich, dass die Bahnhofsmission auch weiterhin eine große Rolle als Anlaufstelle in sozialen Fragen spielt. Menschen wurden mit Gesprächen, Masken und Hygieneartikeln unterstützt – und manchmal auch einfach mit einem frischen Stück Obst. Das Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen half bei der Bearbeitung von Anträgen und Formularen. Und diejenigen, die ihre Probleme mit dem digitalen Bürgerservice der städtischen Einrichtungen hatten, konnten über die Computer der Bahnhofsmission Termine vereinbaren.

Die Bahnhofsmission bleibt also beides – Anlaufstelle für Menschen in Not und Mitgestalterin eines Ortes, an dem viele Menschen zusammenkommen. Neue Ideen dafür sind auch schon da. So startet in diesem Sommer ein Lastenrad mit dem „Pop-up-Café für Segen und Demokratie“ auf dem Bertha-von-Suttner-Platz. Hier sind Gespräche an frischer Luft möglich ebenso wie Seelsorge in Krisenzeiten. Das Team ist außerdem dabei, die Digitalisierung der Arbeit weiterzuentwickeln.  Über einen Touchscreen kann man sich ab Herbst rund um die Uhr über das Hilfesystem informieren.

2022-06-13T07:47:50+02:008. Juni 2022|